Day by Day, Im Jahreskreis, Tagesenergien
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Die Walpurgisnacht… der Tanz in den Mai als Tanz in die Freiheit!

„Für ihn/sie durchs Feuer zu gehen“… ist ein Bild für tiefes Vertrauen. Der Feuersprung eines Paares, als Mutprobe um ihrer Verbundenheit Ausdruck zu verleihen, ist eine der Traditionen von Beltane… dem Maifest.
Beltane ist das Feuerfest der Kelten. In der Nacht zum 1. Mai wurde dem Sommeranfang und dem Beginn des neuen keltischen Jahres gehuldigt. Beltane feiert auch die Vereinigung von Mann und Frau, der Vereinigung des Weiblichen mit dem Männlichen und die Fortsetzung des Lebens. Daraus entsponnen sich wilde Geschichten und Gerüchte über Hexen und Heiden… die es in dieser Nacht zu vertreiben galt.

Im Germanischen war Walpurgis die Maikönigin, eine heidnische Göttin, die später christianisiert und dann heilig gesprochen wurde. In Mitteleuropa wird „Walburga“ als weiße Frau (Göttin) mit feurigen Schuhen (Erwärmung der Erde), einer goldenen Krone (Sonne), mit Spiegeln (Seelenspiegel, Wiederauferstehung) und Spindel (Spinnen des Schicksals) dargestellt. Ihr Fest wurde in der letzten Nacht der dunklen Jahreshälfte gefeiert, vom 30. April auf den 1. Mai. In dieser Nacht öffnen sich die Türen zur Anderswelt, und die Schleier zwischen den Welten werden dünner. Der anfangs fröhliche, später immer ekstatischer werdende Kulttanz entfachte eine gemeinsame Trance, in der es möglich war, aus der ganz „normalen Realität“ auszusteigen und Kontakt mit der Anderswelt zu bekommen und Energien in sich zu entfachen, die für einen außenstehenden Beobachter furchteinflößend und befremdend anmuten konnten. Das führte auch zu den Verteufelungen der Walpurgisnacht durch das Christentum als Hexensabbath.

Goethes Hexeneinmaleins

Goethe besuchte wohl 1777  zur Walpurgisnacht den Hexentanzplatz auf dem Brocken im Harz. Was er erlebte, lässt sich nur anhand der danach entstandenen Gespräche zwischen Faust und Mephisto erahnen. Z.B. lässt er mit dem Hexeneinmaleins Mephisto einen Verjüngungstrunk für Faust brauen…

Du musst versteh’n!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei lass geh’n,
Und Drei mach gleich,
So bist Du reich.
Vierlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs,
So sagt die Hex‘,
Mach Sieben und Acht,
So ist’s vollbracht:
Und Nein ist Eins,
Und Zehn ist keins.
Das ist das Hexen-Einmaleins!

Schaut man ein bisschen dahinter lassen sich spirituelle Einsichten gewinnen…
Du musst versth’n! => Nichts ist offensichtlich, sondern man muss über den Sinn nachdenken!
Aus Eins mach Zehn, => Aus dem Einen entsteht durch das Denken die Vielheit.
Und Zwei lass geh’n,  => Die Dualität ist nicht die Lösung.
Und Drei mach gleich, So bist Du reich.  => Die Dreieinigkeit Gottes ist die Lösung, die spirituelle Reichtum verschafft.
Verlier die Vier!  => Denke nicht an die weltlichen Dinge.
Aus Fünf und Sechs, So sagt die Hex‘, Mach Sieben und Acht,  => Streben zu Höherem!
So ist’s vollbracht:  => Das ist das Ziel.
Und Neun ist Eins, => Das Viele wie zum Einen.
Und Zehn ist keins.   => Und alles geht in Gott gänzlich auf
Das ist das Hexen-Einmaleins!  => Das ist die wahre magische Kunst!

Die Freinacht der Liebe und Sinnenfreuden

Heute ist die Walpurgisnacht, je nach Landstrich, eine Nacht der Streiche, der überschäumenden Freude auf den nahenden Sommer und des Werbens. Da werden Maibäume aus der Nachbargemeinde gestohlen und wieder eingelöst, es wird am Maifeuer der Beginn des Sommers und die übersprudelnde Lebensfreude gefeiert und manchmal auch eine Birke vor das Fenster der Geliebten gestellt. Ein neuer kraftvoller Lebenszyklus beginnt.
Traditionell wird in der Nacht zum 1. Mai vor allem getanzt, gefeiert und geliebt! Wir dürfen uns an diesem Tage und der Nacht dem Übermut und der Vorfreude hingeben. Die Freinacht ist die Nacht der freien Liebe, in der unbeschwerte Erotik und Sinnenfreude gelebt werden will und soll.
Beltane ist für jeden Menschen eine Initiation im Jahreskreis, sich seines körperlichen, natürlichen Wesens und der Freiheit, die die körperlich-spirituelle Erfahrung durch liebevolle sexuelle Vereinigung bringt, zu erinnern. Warum werden wir wohl nicht krank, wenn wir frisch verliebt sind?

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Tanzend zur Freiheit

In dieser Nacht wirken starke Transformationskräfte, Begegnungen mit Wesen der Anderswelt sind möglich und mit Hilfe von Lichtwesen und Naturgeistern wird die Seele gereinigt von der Unfreiheit früherer Zeiten. An Beltane öffnen wir unseren Geist, unsere Seele und den Körper für die Lebensfreude, Lust und Erotik in dem Wissen: Ich werde täglich neu geboren und alles ist möglich!
Nutzt diese Nacht zum Tanz! Tanzt mit euren Freunden und Menschen, die mit euch die Freiheit erlangen wollen. Entzündet ein großes Feuer in der Mitte, es ist das Symbol für Hitze, Leidenschaft und Ungezügeltsein. Trommelt euch in Trance und bewegt eure Körper in einem Rhythmus der euch entspricht… ob im leichten Wiegen oder wilden Tanz… spürt euren Körper und die Bewegung. Zeigt euch in eurer ureigenen Bewegung. Tanz ist Leben… und Rhythmus ist Leben. Nehmt wahr, wer da alles mit euch tanzt. Die Schleier öffnen sich im Tanz und du kannst die Naturwesen aus anderen Welten sehen. Sie tanzen mit dir den Tanz der Freiheit. Du bist frei, dein Körper ist frei, deine Seele ist frei, alle Fesseln fallen ab im Tanz der Ekstase! Du bist stark und unabhängig… feiere dich und deine neu erworbene Kraft… Wenn du erschöpft bist, spüre noch eine Weile den Rhythmus in deinem Körper bevor du die Augen wieder öffnest und wieder ganz im Hier & Jetzt ankommst.

Ob keltisch, germanisch, auf Goethes Spuren, trommelnd, tanzend oder ganz weltlich… ich wünsche euch eine wunderbare und befreiende Walpurgisnacht!

 

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